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Interview mit Heinz Wagner, Journalist

Heinz Wagner ist seit 1977 Journalist, 1993 gründete er den Kinder-KURIER. Er bietet regelmäßig journalistische Workshops für Kinder und Jugendliche an. Wagner hat einige Reisen in verschiedene Länder dieser Welt unternommen und darüber berichtet, wie Kinder anderswo leben und aufwachsen.

Im Mai 2016 stand er uns für ein Interview zum Thema „Wir Kinder dieser Welt“ Rede und Antwort.

Was bedeutet „Kindheit“ für Sie? Wie hat sie sich Ihrer Meinung nach in den letzten Jahrzehnten verändert?

Kindheit wird seit knapp 100 Jahren als eigener Lebensabschnitt wahrgenommen, in dem die (jungen) Menschen als besonders schützenswert und förderungswürdig betrachtet werden. Die auch in der Kinderrechts-Konvention (1989 von der UNO beschlossen) verankerten Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte der Kinder werden oftmals (noch?) zu wenig berücksichtigt.

Der Stellenwert von Kindern hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, es entscheiden sich heute mehr Menschen wenn, dann bewusst dafür, Kinder zu bekommen als früher. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich auch in der Bildung einiges verändert: Vor 100 Jahren entwickelte sich die Montessori-Pädagogik und beispielsweise als Folge der 1968er-Bewegung entstanden selbstverwaltete Kindergruppen und Alternativschulen. Heute gibt es aber auch gegenteilige Trends: Kinder mit durchgetakteten Terminplänen, Kinder als Statussymbol … Generell wird heute wieder mehr über Bildung diskutiert.

Wie unterscheiden sich Kinder, die in unterschiedlichen Ländern und auf verschiedenen Kontinenten aufwachsen?

Den größeren Unterschied sehe ich weniger zwischen Kindern aus verschiedenen Ländern und Kontinenten, sondern mehr zwischen Kindern aus armen und reichen Familien. Auch in den ärmsten Ländern gibt es Kinder (super-)reicher Eltern, die in Privatschulen gehen und denen es praktisch an nichts mangelt. Andererseits gibt es auch in den reichsten Ländern Kinder in Familien, die im Winter in der Wohnung frieren oder noch viel häufiger nicht auf Sportwochen usw. mitfahren können.

Welche Gemeinsamkeiten haben Ihrer Meinung nach Kinder auf der ganzen Welt?

Alle Kinder, egal aus welchen Verhältnissen sie stammen, sind neu- und wissbegierig, wollen sich bewegen, spielen, brauchen körperliche und „geistige“ Nahrung sowie Zuwendung und Liebe.

Welche Eigenschaften an Kindern bewundern Sie?

Das Staunen, die Spielfreude, im Moment zu leben (oder das zu wollen), die Neugierde, die Wissbegierde, die Unbekümmertheit, dass sie sich oft noch nicht von „konventionellem“ Denken (das kann nicht/darf nicht sein, geht gar nicht) einschränken lassen.

Ihr Leitspruch ist „Kinderlärm ist Zukunftsmusik“. Wie klingt das?

Ich möchte, dass Kinder als gleichwertige Menschen nur einfach jüngeren Alters betrachtet werden. Damit meine ich in erster Linie: Kinder sollen auch gehört werden – auf sie, aber auch in ihrer Spiel- und Lebensfreude, ihrem Herumtollen … Und diese akustischen Lebensäußerungen sind keinesfalls Auto- oder Baustellenlärm gleichzusetzen!

Wo würden Sie gerne nochmal Ihre Kindheit erleben, wenn Sie es sich aussuchen könnten?

Ich würde gerne in einem mehrsprachigen, interkulturellen Umfeld aufwachsen, in dem man gleichzeitig mehrere Sprachen und Kulturen kennenlernt. Das wäre ein großer Vorteil, was das Erlenen von Fremdsprachen und das Verständnis anderer Kulturen betrifft.

Was wünschen Sie sich für die heutige Jugend?

Ich würde mir wünschen, dass die Jugend stärker und seriöser wahrgenommen wird. Wenn sich einige wenige Jugendliche „aufführen“, wird das mit Schlagzeilen „belohnt“. Wenn Jugendliche hingegen tolle Projekte machen, haben sie große Schwierigkeiten damit medial vorzukommen. Umgekehrt sollte es sein. Auch würde ich mir Schulen wünschen, die auf die Jugendlichen eingehen, ihre Stärken fördern und ihnen helfen, ihre Schwächen auszubügeln. Zudem sollten ausreichend und gute Arbeitsplätze für die Jugendlichen geschaffen werden, das Geld dafür wäre da. Natürlich wünsche ich der Jugend – und nicht nur ihr – auch eine friedliche Welt, in der es keine Kriege zwischen Ländern, Religionen, Arm und Reich gibt.

https://demokratiewebstatt.at/thema/thema-wir-kinder-dieser-welt/interview-mit-dem-journalisten-heinz-wagner/
gedruckt am: Montag, 23. Oktober 2017