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Themen und Besonderheiten der „68er-Bewegung“

Wie bereits erwähnt sind die Themen der Proteste im Jahr 1968 vielschichtig. Die Forderungen sind auch nicht unbedingt auf diese Zeit beschränkt. Welche Besonderheiten und Gemeinsamkeiten der Protestbewegungen von 1968 lassen sich also feststellen?

Zu den Besonderheiten von 1968 gehört, dass
- es in so vielen Ländern gleichzeitig zu Protestbewegungen kam – wenn auch aus verschiedenen Gründen
- diese Protestbewegungen trotz aller Unterschiede über die (Länder-)Grenzen hinweg miteinander verbunden waren: Die Proteste wurden nicht nur durch Meldungen über Unruhen anderswo „angefeuert“. Vielmehr protestierten z.B. Menschen in Deutschland gegen den Krieg in Vietnam, also einen Krieg, der eigentlich weit weg war und von dem sie nicht direkt betroffen waren. Sie fühlten sich aber solidarisch mit den Betroffenen und lehnten Krieg grundsätzlich ab. Die Proteste gegen den Vietnam-Krieg war auch ein Zeichen, dass sie Vietnams Streben nach Unabhängigkeit und nach Befreiung von der kolonialen Herrschaft unterstützten („Antikolonialismus“), denn der Vietnamkrieg hatte 1946 mit dem Widerstand der vietnamesischen KommunistInnen und anderer Gruppierungen gegen die französische Kolonialmacht begonnen.

Weitere Beispiele für diese solidarische Haltung sind Demonstrationen (z.B. in Deutschland und Österreich) gegen die diktatorische Politik im Iran (Anti-Schah-Demonstrationen).

Bei allen Unterschieden lassen sich Gemeinsamkeiten finden, wofür die Menschen 1968 gekämpft haben. Klicke auf die bunten Farbkästchen, um mehr darüber zu erfahren.

Freiheit und Selbstbestimmung

Die Menschen möchten sich nicht mehr vorschreiben lassen, sondern selber bestimmen, wie sie leben. Den Lebensstil und die Werte der Eltern – wie z.B. Pflicht, Gehorsam, Treue, Vaterlandsliebe – finden sie meist altmodisch (konservativ). Traditionen empfinden sie als Einschränkung. Die Hippiebewegung aus den USA hat starken Einfluss auf die Jugend. Viel Neues wird ausprobiert. Das betrifft teilweise Äußerlichkeiten wie Mode mit Kleidung und Frisuren. Die kurzen Röcke der jungen Frauen und die langen Haare der jungen Männer schockieren die ältere Generation. Ausprobiert werden außerdem unterschiedliche Formen, wie die jungen Menschen zusammenleben: traditionell als Familie oder als Paar, oder aber in Kommunen, in denen viele Männer, Frauen und Kinder zusammen leben. Auch in Liebe und Sexualität soll es keine Zwänge geben. Das Ideal ist die „freie Liebe“, und im Bereich der Sexualität beginnt eine „sexuelle Revolution“. „Frei“ sein soll auch der Geist, von manchen wird mit bewusstseins-erweiternden Drogen experimentiert (die teilweise entstehende Abhängigkeit machte aber natürlich niemanden freier!) In einigen Ländern wie z.B. der Tschechoslowakei oder Polen geht neben der „persönlichen“ Freiheit auch um „politische Freiheit“. In diesen Ländern gab es keine Demokratie; die Rechte waren stark eingeschränkt, es gab weder Presse- noch Meinungsfreiheit. Die Zensur der Medien, die dort überall vorzufinden ist, gibt es allerdings teilweise auch in demokratischen Staaten, und wird dort von den „68ern“ heftig kritisiert.

Mitbestimmung

Die Menschen wünschen sich, dass sie mehr Recht haben, mitzubestimmen was passiert, etwa in der Gesellschaft, im politischen Prozess, bei der Arbeit oder an den Universitäten. Die Idee, dass jemand „mehr zu sagen“ hat, weil sie oder er eine „Autorität“ ist (wie zum Beispiel Eltern, Professoren, PolitikerInnen, oder der Staat) wird abgelehnt.

Frieden

In Europa herrscht zwar Frieden; allerdings gibt es einen „Kalten Krieg“ zwischen den USA und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) (und den jeweils verbündeten Staaten). Zwischen den beiden Supermächten gab es ein regelrechtes „Wettrüsten“ mit (Atom)Waffen, gegen das sich die „68er“ auflehnen. Die Menschen protestieren vor allem auch gegen den Krieg in Vietnam, in den die USA verwickelt waren.

Gleichberechtigung

Viele Frauen mussten in der Nachkriegszeit (Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, also ab 1945) die Familien ohne männliche Hilfe versorgen und sehr selbständig handeln. Nach Rückkehr der Männer aus der Kriegsgefangenschaft wurden Frauen oftmals wieder in ihre traditionelle Rolle als „Hausfrauen“ zurückgedrängt. In den 1960erJahren durften Frauen z.B. nur mit Einverständnis ihres Ehemannes arbeiten gehen. Nun kämpften die Frauen gegen diese Ungerechtigkeit und forderten mehr Gleichberechtigung. Dies war der Anfang einer neuen Frauenbewegung.
In die 60erJahre fällt auch die Erfindung der sogenannten „Antibabypille“. Dies kam den Zielen der Frauenbewegung entgegen, denn durch diese neue Möglichkeit der Verhütung konnten die Frauen ihre Sexualität freier ausleben und bewusster entscheiden, ob und wann sie Kinder bekommen wollten. Tatsächlich gingen die Geburtenraten deutlich zurück („Pillenknick“ nach dem vorhergehenden „Babyboom“, s. unten)

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gedruckt am: Mittwoch, 17. Jänner 2018