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Interview mit Maximilian Schubert, Generalsekretär ISPA

Maximilian Schubert ist Generalsekretär der ISPA – Internet Service Providers Austria und Lektor an der FH des BFI Wien und der FH Technikum. Seine Schwerpunkte sind digitale Medien und IT-Recht. Wir haben mit ihm im September 2017 über „Being digital und Neue Medien“ gesprochen.

Was verstehen Sie unter dem Begriff „Neue Medien“?

Ich verstehe darunter Inhalte wie Texte, Videos und Musik, die über das Internet übertragen und dann auf Geräten wie Smartphones oder Tablets dargestellt werden. Aber es ist gar nicht so einfach zu sagen, was „neu“ in diesem Zusammenhang eigentlich bedeutet. Technik und Medien entwickeln sich sehr schnell weiter. Was für uns Erwachsene heute neu ist, ist für Kinder und Jugendliche oft schon Schnee von gestern!

Wie hat sich das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen durch Smartphones, Tablets und Co. verändert?

Als ich ein Kind war, gab es noch keine Computer und keine Smartphones, sondern nur einen Fernseher mit zwei Programmen, und das Telefon hatte ein langes Kabel, damit man es in sein Zimmer mitnehmen konnte, um ungestört mit Freunden telefonieren zu können. Da hat sich schon viel verändert. Was mir natürlich auffällt, ist, dass junge Menschen heutzutage immer früher mit Smartphones, Tablets und Co zu tun haben. Das überrascht mich allerdings überhaupt nicht: Kinder interessieren sich für ihre Umwelt, sie sind neugierig und wollen die Welt entdecken – und dazu gehören digitale Medien ja immer mehr.
 
Ich bin immer wieder begeistert, wie schnell sich junge Menschen im Umgang mit digitalen Medien zurechtfinden: Wie man ein Tablet bedient, finden Kinder meistens schneller heraus als wir Erwachsene. Aber es gibt dennoch Bereiche, in denen sie Hilfe brauchen, etwa: Wie weiß ich, ob etwas, was ich im Netz gesehen habe, wahr ist? Warum ist es keine gute Idee, Selfies im Badeanzug an fremde Personen zu schicken? Wie gehe ich mit Menschen, die ich nicht kenne, im Netz um? Bei solchen Fragen sind insbesondere jüngere Kinder auf Hilfestellung durch Eltern und Lehrende angewiesen. Auch ältere Geschwister spielen hier eine wesentliche Rolle. Sie sind ein wichtiges Vorbild.


Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie? Welche sozialen Netzwerke sind bei Jugendlichen hoch im Kurs und warum?

Ich habe vor zehn Jahren in Schottland studiert, und es war für mich recht schwer, meine Freunde hier in Österreich nicht mehr zu sehen. Umso mehr habe ich mich dann gefreut, dass ich Facebook nutzen konnte, um weiterhin Informationen mit ihnen zu teilen. Heute bin ich wieder zurück in Wien und freue mich, wenn ich Fotos der ehemaligen Studienkolleginnen und -kollegen sehe, mit denen ich damals in einer winzigen Küche gemeinsam gekocht, gefeiert und gelacht habe. Es gibt aber eine Reihe von Apps, die ich nicht nutze, da diese automatisch meine Kontakte am Telefon auslesen. Das will ich nicht, daher verzichte ich darauf.
Bei den Jugendlichen sind vor allem Messenger-Dienste sehr beliebt. Sich mit Freundinnen und Freunden auszutauschen hat einen hohen Stellenwert, das war auch in meiner Generation schon so.

Wo sehen Sie Möglichkeiten für den Einsatz von digitalen Medien in der Schule, was sind mögliche Risiken?

Ich halte den richtigen Umgang mit Informationen und Quellen für eines der wichtigsten Dinge überhaupt, die in der Schule gelehrt und gelernt werden sollen. Also: Wo finde ich gute Informationen und wie kann ich überprüfen, ob diese wirklich stimmen? Oftmals tun sich Lehrende dabei genauso schwer wie Kinder, und ich denke, es wäre daher eine gute Idee, das gemeinsam zu üben.

Weniger gut finde ich, dass man am Unterricht wenig verändert, einfach statt Schulbüchern Tablets verteilt und glaubt, damit sei alles erledigt. Durch die Digitalisierung hat sich viel in unserer Gesellschaft verändert, und es wird sich wohl auch in Zukunft noch sehr viel ändern. Die Vermittlung digitaler Kompetenzen muss deshalb auch zur Kernaufgabe der Schule werden.

Welche drei Medien würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ich hoffe, auf der einsamen Insel gibt es Strom und WLAN! Dann würde ich vermutlich mein Smartphone und natürlich das Ladegerät mitnehmen. Das Schöne ist ja: Wenn man Zugang zum Internet hat, kann man sich nicht nur drei, sondern fast alle Medien der Welt auf diese einsame Insel holen und ist dann, naja, nicht mehr einsam.

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gedruckt am: Dienstag, 17. Oktober 2017