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Österreich nach 1945 – Wiederherstellung der Republik

Selbständiger Staat, aber unter Kontrolle

Von 1938 bis 1945 war Österreich Teil des Deutschen Reichs. Im Zweiten Weltkrieg standen einander Deutschland und eine Allianz aus Großbritannien, Frankreich, USA und Sowjetunion, die so genannten Alliierten, gegenüber. Im April 1945 befreiten alliierte Truppen Österreich von der nationalsozialistischen Herrschaft und erkannten eine aus drei Parteien gebildete vorläufige Regierung an. Die drei Parteien hatten die unabhängige Republik Österreich ausgerufen, auch Zweite Republik genannt. Großbritannien, Frankreich, die USA und die Sowjetunion teilten Österreich in vier Zonen auf und besetzten jeweils einen Teil des Landes und der Hauptstadt Wien. Diese Staaten werden deshalb auch „Besatzungsmächte“ genannt. Österreich war wieder ein selbständiger Staat, durfte allerdings ohne Zustimmung der Alliierten nichts entscheiden. Diese Situation änderte sich erst im Jahr 1955. 

Nachgefragt: Was bedeutet eigentlich „Besatzung“?

Besatzung bedeutet in diesem Fall, dass Soldaten eines Landes in ein anderes Land einmarschieren und die Kontrolle über das Land übernehmen.

Eine demokratische Wahl

Der vorläufigen Regierung, die 1945 ihr Amt antrat, gehörten die Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ), die Österreichische Volkspartei (ÖVP) und die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) an. Im November 1945 fanden erstmals seit 1930 wieder freie Wahlen zum Nationalrat statt. Das bedeutete, dass alle wahlberechtigten ÖsterreicherInnen frei entscheiden konnten, wem sie ihre Stimme gaben und auch selbst gewählt werden durften. In der neu gebildeten Bundesregierung unter der Führung von Bundeskanzler Leopold Figl (ÖVP) waren alle drei genannten Parteien vertreten.

Eine gute Zusammenarbeit

In dieser Zeit gab es auch erste Ansätze zu einer Zusammenarbeit von Vertretungen der ArbeitnehmerInnen und der ArbeitgeberInnen, um soziale Konflikte wie in der Ersten Republik zu vermeiden. Der Österreichische Gewerkschaftsbund und die Arbeiterkammer einigten sich mit der Wirtschafts- und der Landwirtschaftskammer auf Abkommen über die Höhe von Löhnen und Preisen. Daraus entstand später die sogenannte Sozialpartnerschaft. Diese trägt zum sozialen Frieden in Österreich bei.

Auf den Punkt gebracht

  • Österreich im April 1945 durch die Siegermächte vom Nationalsozialismus befreit und besetzt
  • Politischer Neubeginn: Gründung Zweite Republik, Wiedergründung der Parteien, freie Wahlen
  • Zusammenarbeit zwischen Interessenverbänden von ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen

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gedruckt am: Mittwoch, 13. Dezember 2017