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Von Sarajevo zum Flächenbrand

Wegbereiter für den Ersten Weltkrieg waren politische und wirtschaftliche Strömungen, die sich in ganz Europa bemerkbar machten:

Der Kampf um die Kolonien – Imperialismus

Die Großmächte Europas strebten danach, ihre Macht weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus auf Gebiete in anderen Kontinenten auszudehnen und diese für sich zu nutzen. Die beherrschten Gebiete waren eine Quelle für Rohstoffe, die für die neuen industriellen Produktionsweisen dringend benötigt wurden. Gleichzeitig waren sie Absatzmarkt für die neuen in Europa gefertigten Industrieprodukte. Der Kampf um Kolonien führte zu Spannungen zwischen den europäischen Mächten. In diesem Ringen um Macht und Land bauten die Staaten auf ein starkes, mit modernen Waffen ausgestattetes Militär. 

Der Zauber der Montur – Militarismus

Schon in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg lagen die großen europäischen Mächte im Rüstungswettstreit und das Militär gewann an Einfluss. Herrscher zeigten sich gerne in Militäruniform und Militärparaden waren Feste für das ganze Volk. Viele glaubten an das Recht des Stärkeren und viele hielten einen Krieg für unvermeidbar. Selbst die Kinderzimmer waren durchdrungen vom „Zauber der Montur“ und Kriegsspielzeug war ein beliebtes Geschenk.

Die Liebe zum Vaterland – Patriotismus

Stolz auf militärische Stärke, wirtschaftliche Leistungen und  technische Errungenschaften einte Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Sehr oft beruhte dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit aber auf der Abwertung anderer Staaten, denen man überlegen zu sein glaubte und auf die man herabblickte. Dazu gehörte auch die Überzeugung, eigene Interessen mit kriegerischen Mitteln durchzusetzen. Alle waren bereit, zur „Verteidigung des Vaterlandes“ über gesellschaftliche und politische Konflikte im eigenen Land hinwegzusehen. Diese Form des „Kriegspatriotismus“ war in allen kriegführenden Staaten verbreitet.  

Miteinander gegeneinander!

Die großen Staaten und Kaiserreiche rangen um Macht und Geltung in der Welt. Österreich-Ungarn und Russland wetteiferten um den Einfluss in den Balkanstaaten. Deutschland konkurrierte mit Frankreich und Großbritannien um Märkte außerhalb von Europa. Große Militärbündnisse entstanden: Frankreich, Großbritannien und Russland bildeten die Triple Entente. Ihnen gegenüber standen die Mittelmächte Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich. Italien war zunächst Bündnispartner der Mittelmächte und verhielt sich im Krieg neutral. 1915 wechselte es auf die Seite der Entente.

Militärische Aufrüstung und wirtschaftliche Ausbreitung des Deutschen Reiches beunruhigten die Entente-Staaten zusehends. Je enger sie zusammenrückten, desto lauter wurde in Deutschland der Ruf nach einem „Präventivkrieg“ gegen die feindliche „Einkreisung“. Zur gleichen Zeit kämpfte der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn mit wachsenden nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen in den Kronländern. Um 1914 war die politische Lage in ganz Europa angespannt.

Das Attentat von Sarajevo – Der Anfang vom Ende der Monarchie

Am 28. Juni 1914 fielen der Thronfolger Österreich-Ungarns Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau bei einem Besuch in Sarajevo dem Attentat eines serbischen Nationalisten zum Opfer. In der Folge überstürzten sich die Ereignisse. Sie führten zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

„An meine Völker“, mit diesen Worten wandte sich Franz Joseph I. zu Beginn des Ersten Weltkriegs an seine Untertanen. Der Kaiser warb um Verständnis für die Kriegserklärung an Serbien. Seine Ausführungen sollten die Bevölkerung für den Krieg begeistern. Der Text wurde am 29. Juli 1914 in einer Sonderausgabe des „Amtsblattes der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien“ veröffentlicht.

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gedruckt am: Montag, 11. Dezember 2017