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Interview: Aus alt mach neu!

Regina Lustig hat schon als Kind gerne gebastelt. Die gelernte Gold- und Silberschmiedin experimentiert heute mit ganz unterschiedlichen Matierialien und verwandelt dabei alten Müll in wundersame neue Dinge.
Wir haben Sie im Dezember 2012 gefragt, wie sie auf die Idee gekommen ist, mit Müll zu basteln, und dabei nicht nur erfahren, was ihre Pflanzen im Globus machen.

Seit wann basteln Sie mit Müll?

Hier erfährst du mehr über Regina Lustig und ihre Arbeit, und dazu gibts viele tolle Recycling-Bastelideen!

Seit ich 3 Jahre alt war. Damals habe ich leere WC-Papierrollen verwendet. Leider habe ich die Rollen schneller verbastelt, als meine Familie das WC-Papier verbraucht hat. Deshalb habe ich mich am WC eingesperrt und das WC-Papier abgerollt. Meine Mutter war etwas verärgert.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen und warum?

Die Frage hat sich mir nie gestellt. Überall sind Verpackungen und Abfälle. Die Dinge sind einfach da, und deshalb verarbeite ich sie. Wenn ich im Urwald leben würde, dann würde ich wahrscheinlich Samen, Steine, Federn, Knochen und Holz verarbeiten.
Ich glaube nicht, dass Recycling-Basteln die Welt retten wird. Müll vermeiden ist auf jeden Fall besser. Aber Recycling-Basteln macht nicht noch mehr Müll. Gekauftes Bastelmaterial kostet ja nicht "nur" Geld, sondern auch die Energie und Rohstoffe zum Erzeugen.
Außerdem macht es Spaß, mit Dingen, die eine bestimmte Bedeutung hatten, was Neues und Unerwartetes zu basteln. Das bringt die Menschen zum Lachen.

Schmeißen die Menschen heute andere Dinge weg als früher?

Die Leute haben früher kaum etwas weggeschmissen. Es gab ja nichts zum wegschmeißen. Kleidung und Schuhe wurden repariert. Lebensmittel kaufte man unverpackt. Die wenigen scheinbar nutzlosen Dinge wurden wiederverwertet. Meine Großmutter hat jedes Stückchen Papier aufgehoben, es geschnitten und als Notizpapier verwendet. Zeitungspapier hat sie zum Anheizen von ihrem Ofen verwendet.

Aus welchem Müll würden Sie niemals etwas basteln und warum?

Dieses Problem hatte ich noch nie. Meistens verarbeite ich Verpackungen. Aber manchmal fragen mich meine KundInnen, ob ich mit anderem Müll etwas machen kann. Das macht mir auch Spaß, weil ich mir dann wieder was Neues einfallen lassen kann.

Woher bekommen Sie ihr Material?

Ich sammle natürlich selbst. Aber ich brauche viel mehr Material. Deshalb nehmen meine KursteilnehmerInnen auch ihre selbst gesammelten Verpackungen mit.
In unserem Hof habe meine eigene Recyclingtonne-Tonne aufgestellt. Da werfen meine NachbarInnen für mich ihre Plastikflaschen, Tetrapaks, Waschmittelflaschen und ähnliches hinein. Das macht uns allen großen Spaß. Für mich ist es immer eine Überraschung, was heute wieder in meiner Tonne gelandet ist. Manchmal bringen meine NachbarnInnen ihre Verpackungen auch direkt bei mir vorbei, trinken einen Kaffee und schauen, was ich Neues aus Ihren Abfällen baue.
Nach Möbeln suche ich am Flohmarkt und im Internet. Manchmal finde ich interessante Dinge zufällig auf der Straße oder neben Mistkübeln.

Was ist Ihr Lieblingsbastelstück?

Das ändert sich immer. Mein Material kostet nichts, und es gibt es in Hülle und Fülle. Wenn ich Lust dazu habe, kann ich immer was Neues machen.
Zurzeit sind meine Lieblingsstücke meine zwei Blumenübertöpfe. Eine Freundin hat mir einen alten Globus, den sie bei Ihren Mistkübeln gefunden hat, vorbeigebracht. Ich habe diesen Globus in zwei Hälften geschnitten und auf zwei alte Plastik-Eierbecher geklebt. Jetzt wohnen meine Pflanzen im Globus.
 

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gedruckt am: Mittwoch, 18. Oktober 2017